Phantasialand für Nachhaltigkeit

© Projektträger Jülich
In weihnachtlicher Stimmung: Severin von und zu Hoensbroech (l.) und Torsten Knippertz im Aufnahmestudio.

Ein Barockschloss mit Vorburg, Herrenhaus und Kapelle, dazu ein weitläufiger Park - Schloss Türnich bei Kerpen ist ein beliebtes Ausflugsziel im Rheinischen Revier, bekannt für sein Schlosscafé und den leckeren Kuchen. Doch das ist nicht alles. Im Podcast erläutert Graf Severin von und zu Hoensbroech seine Pläne für das Schloss und die dazu gehörigen Ländereien. „Wir wollen zeigen, dass wir Landwirtschaft auch machen können, ohne dabei versehentlich den Planeten kaputt zu machen.“ Dazu soll auf Schloss Türnich ein Erfahrungsort für nachhaltige Landwirtschaft entstehen. „Mir schwebt so ein Phantasialand für Nachhaltigkeit vor“, erklärt der Graf.

Von zentraler Bedeutung ist dabei ein gesunder, humusreicher Boden. Der ist auch gut fürs Klima: „Der Humus ist ein ganz wichtiger Bestandteil in unserem Boden und ist auch einer der größten CO2 Speicher unseres Planeten.“, so von Hoensbroech. Im Gespräch mit Torsten Knippertz erfahren wir, wie das funktioniert. Das Stichwort heißt Agroforst. Hier werden verschiedene Agrarsysteme miteinander kombiniert. Auf Schloss Türnich sind das beispielsweise verschiedene Obstbäume und darunter Hühner. Das Ziel ist, lokale Kreisläufe zu erschaffen. Wer sich das alles mal aus der Nähe anschauen möchte, kann das auf dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Türnich tun, der noch am nächsten Wochenende stattfindet.

Informationen zur Hofweihnacht gibt es auf der Website von Schloss Türnich.

Das Projekt von Ernst Götsch in Brasilien wird hier vorgestellt.

Literaturhinweis: Felix zu Löwenstein: FOOD CRASH. Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr. Pattloch Verlag 2011

Hoensbroech: Also mir schwebt so ein Phantasialand für Nachhaltigkeit vor. Weil das ist ja total abgefahren. Es gibt ja so tolle, unheimlich coole Methoden, wie du sehr kleinskaliert, aber auch sehr effektiv Sachen machen kannst und eine resiliente Landschaft aufbauen.

 

Ton: Musik

 

Knippertz: Hi und Hallo! Herzlich willkommen zu unseren Revier.Geschichten. Mein Name ist Torsten Knippertz und bei mir zu Gast sind ja immer Menschen, die neue Wege gehen und mit ihren Ideen das Rheinische Revier auch fit für die Zukunft machen wollen. Also lassen wir sie hier zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen. Das ist auch heute wieder so, aber heute gibt es etwas ganz Besonderes, nicht nur, dass die Vorweihnachtszeit ist, sondern wir haben die Geschichte eines echten Grafen mit einem echten Schloss. Da muss er lachen. Ich weiß nicht, warum. Vor mir sitzt Graf Severin von und zu Hoensbroech. Hi!

 

Hoensbroech:Hi.

 

Knippertz: Wahrscheinlich hast du gelacht, weil wir uns kennen. Und deswegen duzen wir uns jetzt einfach auch.

 

Hoensbroech: Genau, wir kennen uns ja schon länger. Ich lachte aber vor allem auch wegen des Schlosses. Weil alle sagen immer, ich habe so ein Schloss. Das ist ja vergammelt, das Schloss. Also ich bin eigentlich eher der vergammelte Graf zum vergammelten Schloss.

 

Knippertz: Es steht auch auf deiner Homepage...

 

Hoensbroech: Dass das vergammelt ist? Nee, das ist aber kaputt.

 

Knippertz: Nee, da steht drauf, du bist Schauspieler, du bist Moderator, du bist… du gibst Coachings, du bist Regisseur und du weißt, wie man verarmt als Graf.

 

Hoensbroech: Das steht da auch darauf und dazu gehört natürlich ein vergammeltes Schloss, genau. Oder eins, das dann hoffentlich irgendwann nicht mehr vergammelt ist. Aber das sind noch ein paar Meter.

 

Knippertz: Also wir kommen gleich zu Schloss Türnich bei Kerpen. Aber vorher erklären wir noch, warum wir uns duzen. Wir haben nämlich, da du Schauspieler und Regisseur bist, schon zusammen vor Kameras und auf Bühnen gestanden.

 

Hoensbroech: Genau.

 

Knippertz: Von diesen ganzen Sachen, die du machst, was machst du da eigentlich am liebsten? Kann man das sagen?

 

Hoensbroech: Ja, Regie.

 

Knippertz: Warum?

 

Hoensbroech: Weil das einfach am meisten Spaß macht. Also, wenn ich die Gelegenheit bekomme, ein Theaterstück zu inszenieren, dann.. da muss man schon vieles tun, damit ich da Nein sage.

 

Knippertz: Aber ich sage mal, für die anderen Sachen, also Regie, Schauspiel, Coaching, Psychologie, Philosophie, das liegt ja oft nah beieinander. Aber Schlossherr, du bist Schlossherr auf Schloss Türnich, hast du gerade selbst gesagt. Da ist einiges zu tun auf jeden Fall. Das ist ja nicht direkt so daran. Das muss man wahrscheinlich auch lernen. Wie bist du an Schloss Türnich gekommen oder wie seid ihr an Schloss Türnich gekommen?

 

Hoensbroech: Erstmal geerbt. Also das ist ein alter Familienbesitz. 1850 hat die Familie das übernommen und seither ist die Familie da. Und dann ging es immer um die Frage, wer macht es als nächstes? Also mein Vater ist ja auch noch da, der macht ja auch noch total viel. Und dann haben sie mich alle so komisch angeguckt und dann habe ich irgendwie…

 

Knippertz: „Du machst es!“

 

Hoensbroech: – „du machst das jetzt“ – und dann habe ich das jetzt angefangen und tja, wenn du einmal anfängst… also wenn ich gewusst hätte, was mich da erwartet, weiß ich nicht so genau, ob ich damals mit so viel Energie da hineineingesprungen wäre. Auf der anderen Seite muss man sagen, das ist ein faszinierender Ort.

 

Knippertz: Toll.

 

Hoensbroech: Da gibt es so viel zu entdecken. Das beginnt schon bei dieser mystischen Schlosskapelle, die es da gibt, die vollgestopft ist mit so Rosenkreuzer- und Templerikonografie. Und da kann man… Also allein wegen dieser Kapelle würde es sich eigentlich schon lohnen, da zu sein. Aber es gibt eben auch diese prachtvollen Parkanlagen und die ökologische Landwirtschaft, die da drum herum ist. Und das ist auch ein Bereich, der mich, seit ich mich mal ein bisschen näher mit dieser Thematik beschäftigt habe, auch ziemlich fasziniert. Und ich würde sagen, ich bin Extremist, also militanter Extremist für ökologische Landwirtschaft. Das bin ich auch noch.

 

Knippertz: Noch nicht zu viel verraten! Wir bleiben erst mal beim Schloss. Das ist so eine spätbarocke Schlossanlage für alle die, die noch nicht da waren, im Stadtteil Türnich, in der nordrhein-westfälischen Stadt Kerpen, im Rhein-Erft-Kreis, im Rheinischen Revier. Fahrt da mal hin, auf jeden Fall. Und du bist aber eben – ich darf es sagen – ein bisschen zu spät gekommen, weil wieder etwas zu tun war.

 

Hoensbroech: Rohrbruch. Das ist also irgendwie... Ich lese ja jede Woche ab, wie viel Wasser wir verbrauchen. Und irgendwann verbrauchten wir auf einmal acht Kubikmeter am Tag. Da habe ich gesagt, das kann jetzt nicht mehr sein. Und dann haben wir angefangen, mit so einer Suchfirma das Loch zu suchen, und dann haben wir dann mit so Gas das da reingelassen und irgendwann haben wir dann tatsächlich an einer Stelle, von der ich noch nicht mal wusste, dass da überhaupt eine Rohrleitung ist, da ein Leck gefunden, dann haben wir das ausgebuddelt, da hatten wir heute Morgen schon eine 8 Meter Fontäne auf dem Hof.

 

Knippertz: Aber jetzt, wo wir diesen Podcast aufnehmen, ist es nicht mehr so weit hin zum Weihnachtsmarkt, der dann schon stattfinden soll, wenn dieser Podcast ausgestrahlt wird.

 

Hoensbroech: Richtig, der findet statt der Weihnachtsmarkt, mit oder ohne Rohrbruch. Nur wenn wir den nicht gefixt kriegen, dann wird das schon kompliziert. Aber wir werden deswegen nicht den Weihnachtsmarkt absagen.

 

Knippertz: Ihr habt Weihnachtsmarkt, ihr habt ein Schlosskaffee mit super leckerem Kuchen, aber das gehört dann wahrscheinlich dazu, wenn man Leute auch in so ein Schloss locken will, oder?

 

Hoensbroech: Ja, also die Gastronomie, das ist immer so eine Herausforderung. Also alle denken ja immer, man könne mit Café Geld verdienen, genau wie Leute glauben, man könne auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühweinverkauf Geld verdienen. Das ist ja völliger Unsinn.

 

Knippertz: Nee?

 

Hoensbroech: Nein. Also, was die Leute sich ja überhaupt nicht klarmachen, was wirklich die Kosten von so einem Ding sind. Also von… da musst du ja irgendwie Parkwächter haben, du musst unendliche Stromkreise legen, du musst jede Hütte irgendwie mit Strom versorgen, du musst diese ganze Deko… und das ist ein, also ein Weihnachtsmarkt ist ein richtiger Wahnsinnsaufwand und der Glühwein ist da… da verdienst du auch ein bisschen was dran, aber gemessen an den Gesamtkosten ist das beim Glühwein nicht weit.

 

Knippertz: Wahrscheinlich habt ihr guten Glühwein, nicht die Plörre.

 

Hoensbroech: Nein, auf keinen Fall. Also wir sind ja – also da kommen wir bestimmt gleich noch drauf irgendwie – aber so das Thema, dass irgendwie die Qualität der Sachen, die wir in uns hinein befördern, also Essen und Trinken, dass die hoch sein muss, da bin ich ziemlich tief von überzeugt. Und deswegen kriegt man bei uns auf jeden Fall ausschließlich ökologisch hergestellte Produkte. Das gilt auch für den Glühwein. Und übrigens bei uns das Café macht nicht nur Kuchen, sondern wir haben eben auch einen großartigen Koch, Ferdi Klabunde. Der läuft immer durch den Park und kommt mit so einem Berg voll Grünzeug wieder zurück und bereitet daraus irgendwie die tollsten Speisen zu.

 

Knippertz:Wohnst du denn mit deiner Familie eigentlich selbst auch in dem Schloss?

 

Hoensbroech: Wir haben eine Holzhütte im Wald daneben.

 

Knippertz: Also der Mann ist Schauspieler. Ihr könnt das jetzt nicht hören beim Podcasthören. Ich weiß nicht, ob er das ernst meint oder ob Ironie dabei war.

 

Hoensbroech: Ja, nee, das ist schon… Ich mein gut, mein Großvater hat mal so ein schwedisches Fertighaus für Erntehelfer daneben in den Wald gestellt. Und da wohnen wir.

 

Knippertz: Da wohnt ihr?

 

Hoensbroech: Ja, genau.

 

Knippertz: Und das Schloss ist dann ausschließlich für…

 

Hoensbroech: ..gar nichts. Das ist leer. Das Schloss steht leer. Das ist durch die Grundwasserabsenkung der benachbarten Braunkohle – wir befinden uns ja im Rheinischen Revier – ist das abgesunken und auseinandergebrochen und ist deswegen seit… Meine Großeltern sind '79 [1979] ausgezogen.

 

Knippertz: Du baust mir die Brücke zur Überleitung „Rheinisches Revier“, „Braunkohle“, denn du bzw. deine Familie, ihr habt eine ganz persönliche Beziehung dazu, oder?

 

Hoensbroech: Ja, wir haben sehr kuriose Beziehungen zur Braunkohle. Also nicht nur, dass meine Firma tatsächlich mal eine Brikettfabrik besessen hat und auch einige Braunkohle-Schürfrechte, die aber dummerweise zum völlig falschen Zeitpunkt verkauft hat. Und dann kam die Inflation. Also die Familie hat sich geschickt ruiniert. Aber tatsächlich haben wir auch eine sehr schmerzhafte Beziehung zur Braunkohle, weil eben durch die Grundwasserabsenkung das Schloss auseinandergebrochen ist. Und deswegen kann man das nicht mehr bewohnen. Und ich streite mich immer noch mit den Statikern über die Frage, wie wir das eigentlich stabilisiert bekommen.

 

Knippertz: Das kostet ja wahrscheinlich auch einiges. Gibt es da schon Kostenvoranschläge, was es kostet, so ein Schloss beisammen zu halten, im wahrsten Sinne des Wortes?

 

Hoensbroech: Ja, und als ich den Kostenvoranschlag gesehen habe, habe ich irgendwie gedacht, das müssen wir anders lösen.

 

Knippertz: Wie hoch ist der? Kannst du das verraten?

 

Hoensbroech: Na ja, allein zumindest mit dem jetzigen Konzept Fundamente unterzuziehen, kostet allein 3 Mio. Euro.

 

Knippertz: Okay. Hast du dir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, das Geld aufzutreiben? Oder hast du gesagt…?

 

Hoensbroech: Nee, ich hoffe, dass wir eine andere Lösung finden gerade. Also, dass wir statisch nochmal eine andere Lösung finden.

 

Knippertz: Ah ja. Okay, aber du hast ja trotzdem…

 

Hoensbroech: Das ist total komplex. Also, da müssen wir gleich drin einsteigen.

 

Knippertz: Aber du hast dir trotzdem überlegt, wie man an Geld kommen kann, um – so ein Schloss muss ja auch unterhalten werden, also das muss ja nicht nur zusammengehalten werden…

 

Hoensbroech: Ja, es geht mir nicht nur darum, irgendwie den alten Familienbesitz zu erhalten, das fände ich auch langweilig, sondern es geht mir oder uns als Familie jetzt, meiner Frau und mir und meinen Eltern, uns geht es ja darum, den Ort irgendwie in die Zukunft zu entwickeln. Also der Ort ist ja unheimlich spannend. Der kommt aus einer spektakulären Vergangenheit und… Aber wenn du Leute fragst, was machst du denn mit einem Schloss. Dann fällt dem einen ein Museum ein, dem nächsten fällt ein Hotel ein… Also ein Museum finde ich langweilig, weil das schaut eigentlich nur nach hinten und dieses „Nach-hinten-Gegucke“ finde ich irgendwie nicht interessant. Und ich frag mich ja, wie können wir gerade in so einer Modellregion, die sich ja irgendwie nach vorne entwickeln soll, wie können wir da was machen, was substanziell auch inhaltlich irgendetwas beiträgt und wirklich nach vorne guckt und zwar mit der Geschichte der Vergangenheit daraus. Das finde ich spannend und das ist auch wirklich einer der zentralen Gründe, weswegen ich das überhaupt mache.

 

Knippertz: Aber was kann das sein? Jetzt machst du mich neugierig.

 

Hoensbroech: Ja, ist ja gut. Dann habe ich das ja schon mal geschafft. Also unsere Idee... Also ich sag mal so, die Leute gucken immer nur auf das Schloss. Aber das Schloss ist ja nur ein kleiner Bestandteil eines großen Ensembles, da gehören ja noch eine Vorburg dazu, aber auch zwei Hektar Schlossteiche, dann gibt es einen prachtvollen englischen Landschaftspark, es gibt einen historischen französischen Barockgarten, es gibt einen Heilpflanzengarten, es gibt einen kleinen Urwald und es gibt eine Landwirtschaft, es gibt eine historische Mühle, es gibt eine Bibliothek. Also es gibt so alle möglichen Sachen und man muss eigentlich das gesamte Ensemble sich angucken und muss sich irgendwie die Frage stellen, „was kann so ein Ensemble eigentlich?“ Und was früher sehr gut in solchen Ensembles ablesbar war, waren lokale Kreisläufe. Das war ja alles ein riesiger Kreislauf. Und da gab es in der Schlossküche eine riesige Küche, da wurden alle bekocht, und es gab Felder, da wurde angebaut, und eine Mühle, da wurde gemahlen, und dann gab es Kühe, die wurden da auf dem Hof – und Pferde auch und so – und das Ganze war so ein… und das halbe Dorf arbeitete irgendwie in dem Umfeld und der Verwalter war gleichzeitig Bürgermeister und so. Also das war so ein großer Kreislauf. Und diese lokalen Kreisläufe, die haben wir, glaube ich, sehr stark verloren. Also wenn du alleine in die Ernährungswirtschaft guckst, da sind wir inzwischen sehr in globalen Lieferketten angekommen.

 

Knippertz: Merkt man ja dann auch, wenn die nicht funktionieren manchmal.

 

Hoensbroech: Das merkt man dann zum Beispiel, wenn die nicht funktionieren, genau. Gleichzeitig… Wir merken aber auch, dass unsere Systeme ganz oft nicht mehr sehr resilient sind. So, und „Think global, act local“ haben wir gedacht, wir machen mal so einen „es-geht-auch-anders-Ort“. Wir machen ein Projekt, an dem man zeigen kann, es geht auch anders. Wir können auch Landwirtschaft machen, ohne versehentlich den Planeten kaputt zu machen. Wir können auch… wir können eine Unterbringung machen, Energie, alle Themen, die irgendwie inzwischen nur noch auf großes Geld sind, können wir auch sozusagen in lokalen Kreisläufen abbilden. Und das ist so ein bisschen… und das als Erfahrungsort. Also mir schwebt so ein Phantasialand für Nachhaltigkeit vor. Weil das ist ja total abgefahren. Es gibt ja so tolle, unheimlich coole Methoden, wie du auch sehr kleinskaliert, aber auch sehr effektiv Sachen machen kannst und eine resiliente Landschaft aufbauen.

 

Knippertz: Phantasialand für Nachhaltigkeit – das soll aus Schloss Türnich und Umgebung werden. Also das nehmen wir schon mal mit. Jetzt weiß ich, dass in dem Zusammenhang ein wichtiges Thema für dich Agroforst oder Agroforstsysteme sind.

 

Hoensbroech: Ja, also ein Agroforst ist nicht ein Wald, der einen schlägt, wenn man da durchgeht, sondern…

 

Knippertz: Mit einem „g“.

 

Hoensbroech: Der Agroforst mit einem „g“. Also vielleicht erkläre ich erstmal, was das überhaupt ist.

 

Knippertz: Genau.

 

Hoensbroech: Also… Oder ich fange vielleicht noch einen Schritt weiter hinten an. Also ich möchte jetzt in keinster Weise irgendein Landwirtschafts-Bashing betreiben. Das liegt mir echt fern, weil ich kenne sehr viele Landwirte, sowohl ökologisch wirtschaftende als auch konventionell wirtschaftende und die reißen sich alle echt den Arsch auf.

 

Knippertz: Ich kenne auch einige.

 

Hoensbroech: Ja und die kämpfen alle dafür, irgendwie gute Nahrungsmittel für die Welt zu produzieren. Also das…. Jetzt glaube ich aber trotzdem, dass es Systeme gibt oder dass es einige Landwirte gibt, die auch in so einem System gefangen sind, aus dem du ganz schwer wieder rauskommst. Und das sind halt diese großen industriellen Systeme. Und lange hat einem der Bauernverband und was weiß ich, die haben alle einem immer gesagt, „wachse, werde groß, mache riesige Flächen!“

 

Knippertz: „Damit es sich für dich rentiert!“

 

Hoensbroech: Ja, und das ist aber auch tatsächlich so. Und das heißt, die Landwirtschaft wurde sehr stark auf sehr hohe Effektivität getrimmt. Und diese massive Effektivität, die geht leider, also die führt dazu, dass du eine Menge Kosten externalisieren musst. Also mal ganz banal da kommen auf so einen Hektar klassischen Acker kommen 163 Kilogramm Stickstoff im Schnitt. Um das herzustellen, brauchst du ungefähr die doppelte Menge Öl oder Öläquivalent und davon geht dann aber maximal 30 bis 50 Prozent in die Pflanze. Der ganze Rest geht irgendwie ins Grundwasser und in die Flüsse und in die Meere und so. Das heißt, wir haben einen unglaublichen Eintrag an Stickstoff allein in die Meere. Da gibt es dann… das führt dann zu Todeszonen und zu Algenwachstum und so. Also der Stickstoff-Phosphor-Kreislauf ist einer, wo wir die planetaren Belastungsgrenzen schon ziemlich massiv gerissen haben. Es reden leider immer alle nur über den Klimawandel, aber man vergisst immer, dass es noch so andere Themen gibt, die auch noch relevant sind. Und in der Landwirtschaft führt das zu einer hohen Produktivität auf der Fläche. Also du kannst viel mehr auf einem Quadratmeter herstellen. Das Problem ist aber auch, damit das überhaupt geht, das Zeug wächst zu schnell. Das heißt, egal was du machst in diesem System, du baust dir eigentlich immer nur drei neue Probleme, mit dem Ergebnis, dass wir versucht haben, unsere Landwirtschaft so stark wie möglich kontrolliert zu bekommen, so groß wie möglich und so einfach wie möglich. Also jedes… wenn da zu viele andere Insekten rum sind oder irgendwie Beikräuter oder anderes Unkraut, also alles was irgendwie sozusagen noch zusätzlich ist, ist sozusagen Gefahr für mein System und deswegen muss ich das wegmachen und das mache ich weg in der Regel, indem ich irgendwelche Gifte verwende oder indem ich… – Pflanzenschutzmittel nennt man das ja. Und die verschwinden aber auch nicht dann einfach, sondern die sind ja weiter da und belasten das Bodenleben, belasten das Grundwasser und so. Und es gibt auch noch ein ganz anderes Problem. Es ist nämlich das, dass durch das viele Pflügen und Umgraben und so weiter, auch die Humusschicht kaputtgeht. Der Humus ist ein ganz wichtiger Bestandteil in unserem Boden und ist auch einer der größten CO2-Speicher unseres Planeten.

 

Knippertz: Oh, das wusste ich nicht.

 

Hoensbroech: Ja, wenn man über Klimawandel redet, reden ja alle immer über CO2-Ausstoß. Worüber komischerweise niemand redet, ist über die vergangenen Speicher, also die Meere und der Boden, ist ja ein unglaublicher CO2-Speicher.

 

Knippertz: Aber ist das gut oder schlecht?

 

Hoensbroech: Das wäre… das ist schlecht, dass der kaputt ist, weil wenn man den Humusgehalt auf allen landwirtschaftlichen Flächen auf diesem Planeten nur um sieben Promille erhöhen würde, hätten wir keinen Klimawandel mehr.

 

Knippertz: Das heißt, dann würde der ganze Boden das schädliche CO2 speichern und das würde nicht in die Atmosphäre gehen?

 

Hoensbroech: Richtig, genau. Dafür musst du den Boden aber ein bisschen anders behandeln, als wir das so gemeinhin tun. Du musst dir darüber im Klaren werden, dass der Boden ein hochkomplexes Lebewesen ist. Mir hat mal jemand gesagt, der Boden, der hat die mikrobielle Struktur vom Darm. Das merkt man ja auch, du schmeißt irgendetwas darauf und dann wird das so wegverdaut. Wenn du etwas auf den Asphalt schmeißt, passiert das irgendwie nicht. Und je gesünder ein Boden ist, umso stärker ist er in der Lage, mit diesen Milliarden von Mikroorganismen, die da drin sind, alles, was da irgendwie drauf ist, irgendwie wegzuverdauen und zu verarbeiten.

 

Knippertz: Aber nur, wenn diese Systeme da auch drauf sind und nicht durch Schadstoffe kaputt gemacht?

 

Hoensbroech: Nur wenn das funktioniert, wenn der Boden nicht verdichtet ist, wenn die Möglichkeit ist, dass dort ein großes Bodenleben ist. Wenn du auf so einem normalen Acker gräbst und du suchst nach Regenwürmern, da findest du vielleicht 20 auf einen Kubikmeter. Ich habe bei mir ein System angelegt, wenn du da gräbst, da findest du – keine Ahnung – 800. Weil es natürlich Möglichkeiten gibt, dieses System sozusagen zum Leben zu erwecken, ja zu powern.

 

Knippertz: Das ist dann das Agroforstsystem?

 

Hoensbroech: Nein, das ist… Da komme ich erst gleich zu. Also worum es oft gehen sollte und was ganz wichtig ist, dass wir… Wir denken immer nur in der Pflanze. Man müsste aber eigentlich dafür sorgen, dass wir einen gesunden Boden haben. Und wenn du einen wirklich fitten, guten Boden hast, dann sorgt der schon für die Pflanzen Ernährung. Wenn dann natürlich der Boden nur Haltemedium ist und so das Ding, dass die Pflanze nicht umfällt und dass es dunkel ist, wo die Wurzeln sind. Das übertreibe ich jetzt auch. Jedem Landwirt ist sein Boden wichtig. Nichtsdestoweniger behandeln wir ihn in der Regel extrem schlecht und führen einfach alles zu und externalisieren den Rest. Also Erosion ist dann auch ein Riesenthema. Also wir merken, unsere Böden speichern kein Wasser mehr.

 

Knippertz: Sind das denn… ist das überall, ich bleibe jetzt mal in Deutschland, so oder ist das speziell im Rheinischen Revier so?

 

Hoensbroech: Das ist überall so. Das Rheinische Revier ist besonders traurig, weil es so wenige ökologisch wirtschaftende Betriebe im Rheinischen Revier gibt. Ich glaube, wir sind hier so relativ weit am Ende der Prozentliste. Ich weiß nicht, wie viel Prozent es genau sind, aber wir sind echt weit unten. Finde ich für eine Modellregion völlig schockierend, weil ja irgendwie mal wer gesagt hat, wir wollen mal mindestens 25 Prozent Ökobetriebe. Also ich weiß nicht, ob… wir sind auf jeden Fall unter 10 [Prozent], deutlich.

 

Knippertz: Na gut, aber Modellregion soll es ja auch werden.

 

Hoensbroech: Wir müssen eine vielfältige ökologische Landwirtschaft haben und auch eine vielfältige und ökologische Landschaft. Aber das ist ja auch so ein Ding, unsere Böden müssen irgendwie dazu kommen, dass sie das Wasser behalten. Wir haben jahrelang, jahrzehntelang dafür gesorgt, dass das Wasser weggeht. Sobald irgendetwas vom Himmel fällt, geht es sofort in irgendeinen Kanal und dann in den Bach und in den Fluss und möglichst schnell weg. Wo es aber eigentlich... Jetzt merken wir, wo diese trockenen Sommer kommen, dass uns überall das Wasser fehlt. Unser Land behält das Wasser nicht mehr und die Böden, die könnten das speichern. Wir haben einen Nachbarbetrieb, auch im Rheinischen Revier, der beschäftigt sich schon sehr lange, sehr viel mit dem Aufbau von Humus in seinem Boden und der sagt, der hat mehrere Wassergänge weniger in den trockenen Sommern als seine konventionellen Kollegen. Also die Wasserspeicherfähigkeit der Böden muss irgendwie auch erhöht werden. Und die Erosion ist ein Riesenthema. Auch hier, wir verlieren einfach, wenn Acker nackt daliegt und Wind kommt, dann verlieren wir viel. Wenn du ins Rheinische Revier guckst, siehst du ja, da haben wir ja manchmal Agrarwüsten, weil es eine Zeit lang so war, dass die Bundesregierung hat... Es gab vor 50 Jahren, glaube ich, gab es eine Fällprämie, wenn irgendwo ein Obstbaum auf dem Feld stand und du hast den gefällt, hast du 100 Mark bekommen.

 

Knippertz: Oh.

 

Hoensbroech: Und so sah die Landschaft dann auch aus. Da konntest du von uns nach Düren gucken, ohne dass den Baum das Auge gestört hätte. Und die Frage ist… Also zum einen denke ich, müssen wir wirklich unsere Landschaft verändern. Und da gäbe es im Rheinischen Revier auch echt eine Chance. Und die Landschaft muss heißen sehr vielfältig und viele Heckenlandschaften, Bäume und so. Weil in dem Moment, wo du das dazwischen pflanzt, hast du nicht mehr diesen Windverlust. Und gleichzeitig hat ein Baum und ein Gebüsch hat ganz viele Funktionen. Nicht nur, dass es vor Wind schützt, sondern eben auch, dass es durch die Wurzeln den Boden festigt. Aber auch dann kommen andere Lebewesen dazu und dann baut sich da Humus auf. Und das ist die Idee von Agroforstsystemen.

 

Knippertz: Aber jetzt würde ja ein Landwirt, ein herkömmlicher Landwirt sagen, „warum soll ich mir denn dann eine Hecke pflanzen? Dann kann ich ja da gar nichts ernten.“

 

Hoensbroech: Richtig, genau. Und das ist auch genau eines der Probleme, wenn man eine Hecke pflanzt, nicht nur, dass du da nichts ernten kannst, sondern du kriegst sie auch nie wieder weg, weil die steht sofort unter Schutz. Weil Landwirtschaft und Naturschutz, die bekämpfen sich seit Jahrzehnten. Mein Vater hat – völlig verrückt – vor 30 Jahren hat er gesagt, „ich halte das nicht mehr aus, dass ich von hier nach Düren gucken kann. Ich pflanze jetzt hier Heckenlandschaften.“ Und dann hat er 18 Kilometer geschwungene Heckenlandschaften bei uns in die Landwirtschaft reingepflanzt. Gleichzeitig hast du natürlich irre Effekte. Du hast also die… Wir haben regelrechte Biodiversitätsexplosionen bei uns erlebt.

 

Knippertz: Aber ihr müsst ja dann auch irgendetwas davon haben irgendwann mal. Weil das hört sich natürlich alles toll an, aber irgendwo muss man ja dann doch auch wieder Geld haben, um das Schloss… um von etwas leben und…

 

Hoensbroech: Also erst mal fände ich auch gut, wenn wir von etwas leben können. Das stimmt ja und das ist genau das Ding. Erst mal weigere ich mich grundsätzlich auf Kosten des Planeten irgendetwas zu tun, nur damit ich jetzt mein Schloss renovieren kann. Das würde mir total widerstreben. Ich denke, da muss man andersherum denken. Aber ich muss jetzt erst nochmal schnell sagen, was Agroforstsystem ist. Dann bin ich auch sofort fertig. Also ein Agroforstsystem ganz klassisch ist im Prinzip so, du hast ein Weizenfeld und dann pflanzt du dir so in Mähdrescherbreite pflanzt du Baumstreifen darein. Das kann Wertholz sein… also in der Regel bei einem Weizenfeld nimmst du Wertholz. Das heißt dann… Das hat mehrere Vorteile, zum einen baust du Humus auf, du verhinderst Erosion, du speicherst Wasser, du schattest ab, was übrigens auch ganz gut ist, dann verdunstet wieder weniger und führt nicht dazu, dass da weniger Weizen wächst. Das heißt, du hast eine ganze Menge Vorteile sozusagen, die du auch für deinen Boden, für deine Erosion… die du durch dieses System bauen kannst. Also man versucht, Systeme miteinander zu kombinieren. Es gibt auch ganz andere Agroforstsysteme, zum Beispiel, du kombinierst Obst mit Tieren, du pflanzt Apfelbäume oder verschiedene Obstbäume und hältst darunter Hühner. Das ist das, was wir machen.

 

Knippertz: Aber im Prinzip hört sich das für mich an wie „Gebt der Natur die Natur zurück!“

 

Hoensbroech: Ja, also wo ich mich immer total gegen wehre, ist, dass man sagt, ökologische Landwirtschaft wäre total „retro“, nach dem Motto „alles wieder wie früher“. Das Gegenteil ist richtig. Weil wenn du in einem ökologischen System arbeitest, arbeitest du eben in einem System. Das tierisch schwierig. Und du musst es ja auch effektiv kriegen und auch wirtschaftlich funktionstüchtig bekommen. Das heißt, du musst im Prinzip die Prinzipien, die die Natur verwendet und auch sehr, sehr schlau verwendet, die musst du im Prinzip nutzen, um damit eine schlaue, resiliente Landwirtschaft zu machen. Und das ist aber sehr weit vorne, sowohl wissenschaftlich als auch sozusagen vom Knowhow, das du dafür brauchst.

 

Knippertz: Und du hast einen Agroforsttag ausgerichtet?

 

Hoensbroech: Ja.

 

Knippertz: Auch im letzten Jahr. Was ist das? Wie geht das?

 

Hoensbroech: Na ja, also Agroforstsysteme sind in Deutschland noch nicht so verbreitet. Es gibt vergleichbare Systeme in anderen Ländern. Also, in Brasilien zum Beispiel gibt es ein ganz berühmtes Beispiel von jemandem, der hat sich da so ein paar hundert Hektar abgerodete Urwaldfläche gekauft und hat da angefangen, ein Agroforstsystem aufzubauen. Ernst Götsch heißt der. Und das ist so abgefahren, weil nicht nur, dass es dort in dieser Region, wo es nicht mehr geregnet hat und alle Quellen versiegt waren, jetzt wieder regnet und alle Quellen wieder sprudeln, sondern es ist auch so, dass der einen x-fach höheren Ertrag hat als seine konventionellen Nachbarn. Gut, das ist alles eine völlig andere Klimaregion und so, aber der arbeitet eben mit solchen Agroforstsystemen, wo er eben zum Beispiel den Anbau von Kakao mit Bäumen kombiniert. Und das gibt es nicht nur da, das gibt es auch in Nordamerika gibt es ein paar schöne Beispiele für solche Systeme. Aber hier bei uns ist das echt noch nicht sehr weitverbreitet und es geht jetzt irgendwie darum, auch einem normalen Landwirt irgendwie klar zu machen, mit einem Agroforstsystem kannst du richtig was tun. Zum einen es lohnt sich für dich wirtschaftlich, es ist es aber auch gut für diese ganzen sogenannten Ökosystemleistungen, die du dann auch noch erbringen kannst. Und wir haben eine Parzelle bei uns gepflanzt, so eine Beispielparzelle – die ist ziemlich verrückt, da haben wir auch lauter Sachen gemacht, von denen ich weiß, dass sie sich nie rechnen werden, wir haben wirklich komische Sachen durcheinander gepflanzt und so – aber wo wir einfach Sachen ausprobieren wollten.

 

Knippertz: Aber was denn zum Beispiel?

 

Hoensbroech: Na ja, wir haben sehr stark durcheinander gepflanzt. Also wir haben so… eigentlich musst du ja immer daran denken, wenn du zum Beispiel Apfelbäume pflanzt, dann musst du einfach gucken, dass du eine bestimmte Menge an Äpfeln gleichzeitig ernten kannst. Wenn ich jetzt zu dem Baum fahren muss, dann musst du 10 Meter weiter fahren und dann den nächsten ernten und dann 10 Meter weiter fahren, das lohnt sich alles nicht. Weil wir müssen ja… du musst als Landwirt ja unglaublich effektiv arbeiten, damit du überhaupt mit dem wenigen Geld, das du am Ende für deine Produkte bekommst, überleben kannst.

 

Knippertz: Wenn du das nicht als Hobby machen kannst.

 

Hoensbroech: Wenn du das nicht als Hobby machen kannst, genau. Und wir haben aber ein paar Sachen einfach ausprobiert, weil wir wollten mal gucken, was passiert eigentlich, wenn man welche Pflanzen in welche Gesellschaften pflanzt. Zum Beispiel, wenn man auch... Es gibt ja Bäume, die holen den Stickstoff aus der Luft heraus und die arbeiten als Leguminosen und bringen den in den Boden hinein, weil auch die Natur muss ja irgendwo den Stickstoff in den Boden kriegen und da gibt es aber eigene Pflanzen für, die das können. Da gibt es auch die Erle zum Beispiel oder der Goldregen oder die Ölweide oder so, das sind so Pflanzen, die bringen Stickstoff in den Boden.

 

Knippertz: Jetzt stelle ich mir gerade, während wir darüber reden, noch eine weitere Frage, neben den ganzen anderen Sachen, die du alle machst. Woher hast du dieses ökologische Wissen?

 

Hoensbroech: Also, als ich Schloss Türnich übernommen habe, steckte es in einer großen Krise und der landwirtschaftliche Betrieb war stillgelegt. Und ich habe mich auf einen Trecker gesetzt und habe einfach angefangen, weil ich wusste, wenn ich jetzt nichts mache, geht der Betrieb kaputt. Und wenn man so etwas macht, wo man keine Ahnung hat und sich einfach auf den Trecker setzt und irgendwen anruft und sagt, „muss ich da jetzt irgendwie… wie geht denn das jetzt?“ Und dann sagt er, „ja, da musst du jetzt eine Spritze hinten dranhängen“ und dann sag ich, „und wie geht das?“ und dann sagt er, „da muss so ein gelber Stock dazwischen, das heißt Zapfwelle.“ So, ganz ehrlich, so habe ich angefangen. Und wenn du etwas so lernst, lernst du natürlich mit einer senkrechten Lernkurve. Und dann habe ich aber ein Buch gelesen, das hieß „Food Crash“ von Felix Löwenstein. Und dieses Buch, das hat mich so tief schockiert. Weil das einfach mal klarmacht, was unser Ernährungssystem eigentlich für Konsequenzen auf unseren Planeten hat. Und das war mir überhaupt nicht klar. Weißt du, immer wenn man zum Beispiel über Klimawandel redet, dann sagen alle, Verkehr, Energie. Worüber du eigentlich reden müsstest, ist unser Ernährungssystem. Und da könnte man übrigens auch am meisten erreichen. Und das hat mich damals so schockiert, dass ich gedacht habe, ich muss dieses Buch, das ein Sachbuch ist, auf die Bühne bringen. Also habe ich ein Theaterstück daraus gemacht, „Food Crash“. Und damit bin ich relativ viel durch die Republik getourt und habe aber natürlich auch im Rahmen dieser Produktion irrsinnig viel recherchiert, weil ich das alles irgendwie verstehen wollte und dann auch mal Publikumsdiskussionen hatte und so. Und so bin ich da einfach immer weiter reingepurzelt und beschäftige mich immer mehr damit. Und so schafft man natürlich, wenn es einen interessiert, sich dann auch ein bisschen Knowhow drauf.

 

Knippertz: Ah, alles klar. Und, gut, diskutiert wird natürlich über die Ernährung oder wie der Planet ernährungsmäßig ausgebeutet wird. Du tust aber etwas, du änderst etwas und dein Agroforstprojekt wird, glaube ich, auch gefördert im Rahmen von „Unternehmen Revier“. Das soll ja dazu beitragen, dass der Strukturwandel im Rheinischen Revier hingekriegt wird. Funktioniert das?

 

Hoensbroech: Was jetzt genau? Die Förderung?

 

Knippertz: Ja.

 

Hoensbroech: Also wir haben tatsächlich relativ früh ein Projekt darin gehabt, wo wir eben diese beispielhafte Agroforstanlage angelegt haben, weswegen wir uns aufgrund der Förderung auch trauen konnten, ein paar Sachen auszuprobieren und auch immer noch herumprobieren. Und die ist auch wissenschaftlich so angelegt. Deswegen haben wir den Agroforsttag damals auch gemacht, weil wir da noch Universitäten dazu geholt haben und so, die Uni Bonn zum Beispiel, die ist ziemlich weit vorne bei dem Thema Agroforstsysteme, weil der Leiter Eike Lüdeling, der Professor dort, der brennt auch für dieses Thema. Das heißt, wir haben da diese eine Fläche. Aber was wir eigentlich machen wollen, wo wir jetzt einen Antrag laufen haben, wo ich hoffe, dass der durchgeht, ist, wir würden gerne wirklich sieben Hektar beispielhafte Agroforstflächen bei uns anlegen und auch ein Wissenszentrum aufbauen, damit man diesen Wissenstransfer irgendwie ermöglichen kann. Also das wäre etwas, was ich sehr gerne bei uns in unserem „Phantasialand“ gerne mit drin hätte.

 

Knippertz: Um auch anderen Landwirten zu zeigen, guckt mal, es kann funktionieren und es kann sogar wirtschaftlich funktionieren?

 

Hoensbroech: Genau. Also wir würden das gerne dann im Zusammenhang mit der Uni immer modellieren, das heißt, wir machen eine 1 Hektar große Beispielanlage und rechnen die hoch und sagen, „okay, wenn du das jetzt auf 30 Hektar machst, dann funktioniert das richtig“, und dass es aber auch einen Ort gibt, wo die Leute hinkommen können, um zu sehen, wie es geht, aber wo es auch ein Online-Wissenszentrum gibt, wo die irgendwie Knowhow darüber abholen können.

 

Knippertz: Also das heißt, das könnte eine Beispielregion sein in einer Beispielregion, also euer Gebiet im Rheinischen Revier sozusagen, um anderen erstmal auf Revierebene, dann auf Deutschland-Ebene, vielleicht irgendwann auf EU-Ebene zu zeigen, es geht. Was glaubst du, woran liegt das, dass es noch so wenige gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen oder trauen?

 

Hoensbroech: Naja, das ist echt erstmal… das musst du dich wirklich trauen, weil so einen Baum, den pflanzt du ja nicht wie bei Asterix‘ Trabantenstadt oder so, du schmeißt eine Eiche hin und hast dann so einen 50-Meter-Baum da stehen, oder 30 Meter, sondern so ein Baum braucht zum Wachsen. Also die Entscheidung zu fällen, ich pflanze mir jetzt auf mein Feld lauter Bäume, ist nicht so einfach. Also ich habe neulich mal jemanden getroffen, die kaufen so landwirtschaftliche Betriebe und dann habe ich den gefragt, „sag mal, ab wann kauft denn ihr so?“ Sagt er, „wenn ein Mann das bewirtschaften kann.“ Sag ich, „okay, wie groß ist denn das dann?“ – Also wenn er sich einen Betriebsleiter einstellen kann dafür. – „Nicht unter 1200 Hektar.“ Dann denkst du, 1200 Hektar, was für ein bäuerlicher Betrieb hatte denn früher mal 1200 Hektar? Und in die Richtung entwickeln wir uns. Alle Betriebe werden immer, immer, immer, immer, immer größer. Und je größer dein Betrieb ist, weißt du, dann brauchst du nur noch riesige Maschinen und kümmerst dich dann auch manchmal nicht mehr so um deine Krume, wie du es vielleicht tun müsstest.

 

Knippertz: Ja, stimmt. Aber dahinter steckt vielleicht auch der Gedanke, dass man im Hinterkopf hat, es müssen ja immer mehr Menschen ernährt werden. Also Weltbevölkerung steigt. Mit der Methode – ich werde jetzt ein bisschen ketzerisch – wenn man die Agroforstmethode betriebe, könnte man dann noch alle ernähren?

 

Hoensbroech: Also erstmal, wenn wir bei der Gelegenheit den Planeten kaputt machen…

 

Knippertz: ..dann brauchen wir die nicht mehr ernähren.

 

Hoensbroech: ..dann haben wir zwar ein paar Leute ernährt, aber dann brauchen wir den auch nicht mehr ernähren. Das heißt sozusagen mit den Schäden, die wir anrichten, mit der Art, wie wir großflächig industrielle Landwirtschaft betreiben, machen wir den Planeten massiv kaputt und dann bringt es das alles nicht. Und abgesehen davon, es gibt natürlich absolut genug zu essen und das kriegt man auch locker alles 100 Prozent ökologisch hergestellt. Es werden sich ein paar Sachen ändern. Also es wird nicht mehr jeder sich jeden Tag ein Stück Fleisch leisten können, weil auch die Preise sich anpassen müssen an das, was es halt wirklich kostet. Wenn du mal die ganzen externalisierten Kosten reinrechnen würdest… Und das muss ja alles aufgefangen werden von irgendwelchen Systemen im Meer zum Beispiel. Und die verrecken natürlich, ist ja klar. Und dann haben wir den Klimawandel und so. Deswegen müsste man eigentlich, müsste man… und das schockiert mich so, wenn ich da irgendwie nach Ägypten gucke und denke Leute, hört doch mal auf über Verkehr und Energie zu reden – ist auch wichtig –, aber fangt mal an über die Themen zu reden, wo wir wirklich etwas rocken könnten und da sind wir schon sehr im Ernährungssektor und da passiert meiner Ansicht nach zu wenig.

 

Knippertz: Was glaubst du, warum?

 

Hoensbroech: Weil es zu kompliziert ist. Weißt du, das ist ja so einfach zu sagen, naja, das Auto pufft hinten raus, also stinkt es, also ist das bestimmt ganz schlimm. Und aus den Schornsteinen kommt auch ganz viel raus, also ist das auch bestimmt ganz schlimm. Aber wenn du jemandem erklärst, „wir müssen Humusaufbau machen, Speichern von CO2, Wasser-Resilienz-Systeme, keine Ahnung was“, das ist alles eher ein bisschen komplizierter und das hat nicht so eine einfache lineare Lösung. Wir denken ja immer in linearen Lösungen. Diesel ist doof, jetzt machen wir Elektro. Funktioniert nicht, wissen alle, aber ist die lineare Lösung. Das heißt nicht, dass Elektro nicht gut ist und Wasserstoff und so, ich bin ja total auf der Seite, also sozusagen man muss immer mal wieder einen Schritt zurückgehen und muss sagen, „wie müssen wir eigentlich unser System so verändern und die Systemfähigkeiten nutzen und nutzbar machen, sodass wir resilient werden.“ Und da heißt das Stichwort in der Regel Vielfalt. Also Vielfaltist Trumpf. Also wir müssten eine hoch vielfältige und hoch komplexe Landwirtschaft aufbauen und Landschaft auch aufbauen.

 

Knippertz: Aber das ist ja in vielen Lebensbereichen so, dass Komplexität oder Vielfalt gar nicht so gefragt ist und man lieber das Einfache haben möchte.

 

Hoensbroech: Genau, was nicht heißt, dass es deswegen besser ist.

 

Knippertz: Vielfalt. Gehen wir mal ganz kurz von diesem komplexen Thema weg zur Vielfalt auf eurem Weihnachtsmarkt.

 

Ton: im Hintergrund Musik und Geräusche eines Weihnachtsmarktes

 

Hoensbroech: Ja!

 

Knippertz: Wie kam es zum Weihnachtsmarkt? Nur die Idee, auch Geld zu verdienen oder auch die Idee einen Bio-Weihnachtsmarkt zu machen oder auch einen nachhaltigen Weihnachtsmarkt? Was steckt dahinter?

 

Hoensbroech: Ja, ach, erstmal müssen wir den Ort einfach beleben. Und dann haben wir gesagt, komm, wir finden Weihnachtsmärkte toll, wir machen jetzt einfach mal einen richtig schönen Wohlfühl-Weihnachtsmarkt, den bauen wir jetzt mal. Und so haben wir damit angefangen vor ein paar Jahren. Und wenn du dann einmal damit anfängst, dann hörst du auch nicht so schnell wieder auf. Aber der ist total beliebt. Wir sind glaube ich in der ZEIT, glaube ich, so unter die Top Ten oder Top Sieben Weihnachtsmärkte in Deutschland gekommen.

 

Knippertz: Der ist ja auch richtig schön. Also, wer noch nicht da war, einfach mal hingehen. Wann? Wie lang geht‘s?

 

Hoensbroech: Wir haben immer Freitag, Samstag, Sonntag ist Weihnachtsmarkt. Beginnen immer freitags um 16:00 und das Wochenende immer nachmittags bis abends.

 

Knippertz: Komm, wir bleiben auch weihnachtlich in einer meiner Lieblingsrubriken, die da heißt „Kurz und knackig“.

 

Hoensbroech: Na, das ist mit mir schwierig.

 

Knippertz: Trotzdem. Drei Fragen an dich mit der Bitte um drei kurze Antworten zum Thema Weihnachten. Was ist dein Lieblingsweihnachtslied?

 

Hoensbroech: Stille Nacht. Das ist einfach das tollste und wunderschönste Weihnachtslied auf dieser Welt. Ich war mal sogar in dem Ort, wo das komponiert wurde, irgendwo in Österreich, so bei Salzburg gibt es so einen Pfarrer, der hat das irgendwie sich ausgedacht. Ist ein Welthit. Hätte mal irgendwie so GEMA anmelden müssen damals.

 

Knippertz: Nee, das brauchen wir nicht mehr. Traditionals, die kann man einfach so nehmen. Welcher Brauch zu Weihnachten oder in der Adventszeit wird in deiner Familie gepflegt, den du ganz besonders magst?

 

Hoensbroech: Da wir beschlossen haben, dass, wenn wir, da wir eine große Familie sind, jeder jedem etwas schenkt, das tierisch mühsam ist und man nur so 5-Euro-Geschenke bekommt, haben wir angefangen uns immer pro Weihnachten einen zuzulosen, dem man dann etwas Richtiges schenkt. Das finde ich einen sehr schönen Brauch, weil man auf diese Weise echt coole Weihnachtsgeschenke bekommt.

 

Knippertz: Was gibt es Weihnachten traditionell auf den Tisch oder habt ihr da auch Vielfalt und wechselt?

 

Hoensbroech: Wir wechseln natürlich. Aber da wir mal vier Jahre in Japan gelebt haben, ist bei uns japanisches Essen ganz weit vorne und meine Kinder lieben das auch und wir machen vegetarische Sushis und die machen wir selber und es schmeckt total lecker.

 

Knippertz: Weihnachten hat ja immer etwas mit Wünschen zu tun. Was wünschst du dir nicht für dich, sondern für Schloss Türnich? Wie soll es hier in, sagen wir mal, 20 Jahren aussehen?

 

Hoensbroech: Also ich wünsche mir, dass sich noch ganz viele Leute für den Ort begeistern, irgendwie verstehen, was wir da machen. Also man ist ja in diesen lokalen Regionen ist man sehr oft so… da gibt es so viele Nickeligkeiten, irgendwelche alten – weiß ich auch nicht – „da hat mal irgendwie der Großvater dem Großvater“ oder keine Ahnung was und so. Und ich fände es einfach toll, wenn irgendwie das Revier Bock hätte noch mehr auf Schloss Türnich und das einfach mit unterstützt, jetzt sei es bei der IBTA oder sei es bei allen Projekten, die wir da machen. Weil ich bin einfach nur ein kleiner Fisch. Also früher hatte man als Graf ein Riesenvermögen, heute habe ich ein normales Einkommen wie jeder andere auch und versuche damit, dieses Riesenprojekt zu entwickeln. Und das ist schon eine sportliche Herausforderung. Und, also wenn mich jemand fragt: „Was wünschst du dir?“, dann würde ich mir einfach wünschen, dass alle Lust haben, das irgendwie mit weiterzuentwickeln.

 

Knippertz: Okay, du hast eben gesagt, dass du dir wünschst, dass das Revier Bock hat auf Schloss Türnich. Hast du Bock auf das Revier? Wie soll das Revier in 20 Jahren aussehen, das Rheinische Revier? Was wünschst du dir da?

 

Hoensbroech: Also, das Rheinische Revier ist echt eine Chancenregion. Und was so ein bisschen in diesen ganzen Revier-Diskussionen so ein bisschen komisch ist – aber vielleicht kommt das nur bei mir so an – ist dass, wir haben ja eine Strukturwandel-Situation und das Hauptargument ist immer, wir müssen ganz viele Arbeitsplätze schaffen. Was mir im Moment gerade auffällt, ist, also Arbeitsplätze gibt es nicht zu wenig, sondern eher zu viel. Was es zu wenig gibt, sind Leute, die arbeiten. Ja, das ist ein Riesenproblem. Ich weiß nicht, in welcher Branche… alle Branchen, in denen ich kenne, die kämpfen um brauchbare Leute, das ist total irre. Und wenn es um die Entwicklung einer Region geht, dann, finde ich, muss es um eine Region entwickeln gehen, in der man auch gerne lebt. Also im Moment ist es echt so, die Leute fahren nach Bayern in den Urlaub, weil es da so schön ist, weil es in unserer Region in den Bereichen in Teilen eben nicht mehr schön ist, weil unsere Region halt ausgebeutet wurde, um Energie für unser Land zu produzieren, damit das wirtschaftlich wächst. Und das war ja auch eine irre Leistung. Aber wir sind eine Strukturwandelregion. Und was mir aber wichtig wäre ist, dass in dieser Region mal wirklich in die Zukunft gedacht wird und nicht in einer Form, dass das heißt, wir machen jetzt noch 18 Industriegebiete und bauen noch fünf Riesenindustrieanlagen und was weiß ich was und machen alles auf Großindustrie, sondern wir versuchen eine Region zu werden, die auch lebenswert ist, die auch schön ist, wo viel Natur ist und wo wir vielleicht auch tatsächlich eine Art von einer Landwirtschaft haben, die auch die Region selber ernährt. Wir müssen nicht für irgendwelche anderen Länder produzieren, sondern wenn es uns gelingen würde – und es liegen riesige Städte vor der Tür, es liegt Köln vor der Tür, es liegt Düsseldorf vor der Tür, es liegt Aachen vor der Tür, die wollen auch alle ernährt werden – also wenn es uns gelingt, auch so regionale Ernährungssysteme aufzubauen, kurze Strecken mit coolen Projekten. Das ist ja, wenn man sich anfängt mit diesem Thema zu beschäftigen, das ist super faszinierend und macht einen irren Spaß.

 

Knippertz: Wobei ich da das Gefühl habe, auch aufgrund der Podcasts, die wir bisher gemacht haben, dass viele ähnlich denken wie du, dass die Region vor allem lebenswert sein soll. Klar, Arbeitsplätze hast du angesprochen…

 

Hoensbroech: ..ist wichtig! Aber nicht…

 

Knippertz: ..machen sich viele Gedanken drum. Aber ja auch da, wie du gesagt hast, es herrscht ja eher Fachkräftemangel.

 

Hoensbroech: Ja klar. Und ich meine, gerade in der Landwirtschaft gäbe es eine Menge zu tun. Aber wenn du großindustriell denkst, gibt es da nicht so viel zu tun. Wenn du die Sachen anfängst, kleiner zu denken und smarter zu denken und so, dann kannst du auch wieder in dem Bereich gute Arbeitsplätze generieren.

 

Knippertz: Aber man muss natürlich auch die mitnehmen, die schon da sind und vielleicht ein bisschen Sorge haben vor so einem Strukturwandel, vor dem Unbekannten, vor dem, was da kommt.

 

Hoensbroech: Ja klar, aber was meinst du, was gerade alles auf uns zurollt. Also da ist der Strukturwandel das kleinste Problem. Ja ja, natürlich muss man die Leute mitnehmen, aber… Und Veränderung macht immer Angst. Das ist normal.

 

Knippertz: Habt ihr so Diskussionen manchmal auf Schloss Türnich, wenn du eben eure Parzellen zeigst?

 

Hoensbroech: Ja klar. Also bei uns kommen ja inzwischen wirklich Großunternehmen an. Also ich hatte gerade einen Automobilkonzern, der ist mit seinen 300 Top-Führungskräften bei uns gekommen und wollte sich das ansehen, weil die sagen selber – und die Industrie ist ja immer viel schneller als die Politik – die sagen, „wir müssen aus dieser linearen Falle herauskommen. Wir müssen lernen, wie man anfangen kann, systemisch vielfältig zu denken.“ Weil auch in der Unternehmensführung ist das total wichtig und davon würde ich träumen, dass wir auch so eine Region werden, wo man hinkommen kann, um so etwas zu lernen. Und dass das funktioniert, das kann ich heute auf Schloss Türnich schon zeigen. Ja, ich versuche das immer stärker auch die Industrie und die Unternehmen dahin zu holen. Wir planen ja auch im Rahmen von einem Förderprojekt auch so ein Green-Life-Festival in der Erft-Aue. Ich finde ja auch Schloss Türnich das darf man gar nicht als Schloss Türnich denken, man muss eigentlich die Erft-Aue denken, und da gehört ja auch die Gymnicher Mühle dazu, der Wasserpark, also die ganze Renaturierung der Erft. Da passiert ja gerade unheimlich viel. Und diese Erft-Aue könnte ein echter Showroom werden für solche Themen.

 

Knippertz: Und was plant ihr da?

 

Hoensbroech: Ein Green-Life-Festival. So ein Innovations-, Kunst- und Musikfestival.

 

Knippertz: Wie weit sind die Planungen?

 

Hoensbroech: Soll im Sommer '24 [2024] stattfinden.

 

Knippertz: Oh, spannend.

 

Hoensbroech: Aber das ist noch sportlich, weil Fördermittel sind immer eine tolle Sache, wenn du darankommst. Aber auf dem Weg dahin, da liegt echt viel Papier. Ich will nicht über die Fördermittel schimpfen. Das ist ja großartig, dass wir die bekommen. Und so ein Ort wie Schloss Türnich lässt sich nicht ohne öffentliche Mittel entwickeln, weil das ist einfach zu kompliziert.

 

Knippertz:Du bist mal, habe ich mir sagen lassen, über einen Stein gestolpert, auf dem stand etwas, was dann so ein bisschen zu deiner Lebensphilosophie oder deinem Mantra geworden ist.

 

Hoensbroech: Ja, also meine bezaubernde Frau Anja, die kommt ja, die ist Halb-Mexikanerin. Und wir waren irgendwann in Mexiko und sind dort in Tuxtla Gutiérrez, das ist so ein Ort irgendwo, sind wir in einem Urwaldzoo tatsächlich über einen Stein gestolpert, auf dem stand der Satz von Francis Bacon „Wer die Natur beherrschen will, der muss ihr gehorchen“. Und das fand ich total smart. Du musst die Systeme der Natur verstehen und musst mit ihnen arbeiten und dann kannst du sie beherrschen. Und darum geht es übrigens auch, wenn du über ökologische Landwirtschaft nachdenkst. Und deswegen ist das auch nicht nach hinten gucken, sondern das ist sozusagen du musst lernen, mit welchen Systemen die Natur arbeitet und musst sie so adaptieren, dass die gut für uns und hochproduktiv funktionieren.

 

Knippertz: Und das machst du, das macht ihr auf Schloss Türnich.

 

Hoensbroech: Da kämpfen wir für.

 

Knippertz: Und ihr kämpft auch dafür, dass es vielleicht demnächst noch mehr Menschen machen, vielleicht nicht nur im Rheinischen Revier.

 

Hoensbroech: Ja, hoffentlich.

 

Knippertz: Also man muss nicht nach Bayern fahren, um es schön zu haben, lernen wir. Und damit schließt sich der Kreis. Denn da kommt dann wieder das Gestalterische auch als Regisseur wieder zum Tragen.

 

Hoensbroech: Genau.

 

Knippertz: Vielen, vielen Dank, Severin von Hoensbroech hier bei uns im Podcast Revier.Geschichten. Dankeschön, dass du da warst.

 

Hoensbroech: Ja, danke, dass ich da sein durfte.

 

Knippertz: Und damit sind wir auch schon am Ende unserer heutigen Episode. Ich bedanke mich ganz herzlich für‘s Dasein beim Grafen.

 

Hoensbroech: Gerne.

 

Knippertz: Dann bedanke ich mich für‘s Zuhören. Erzählt gerne euren Familien, den Freunden von unserem Podcast! Abonnieren, damit es immer die neueste Episode gibt. Immer an einem zweiten Mittwoch im Monat gibt es eine neue Folge. Das Ganze gerne auch auf Social Media teilen, liken und beim nächsten Mal wieder dabei sein, wenn es heißt Revier.Geschichten und mehr Informationen zum Schloss und auch zu Förderprojekten des Landes NRW gibt es natürlich in den Shownotes. Und jetzt würde ich sagen schöne Festtage dir, deiner Familie, deinen Lieben.

 

Hoensbroech: Ebenso.

 

Knippertz: Euch natürlich auch und einen wunderbaren Rutsch. Wir hören uns im neuen Jahr. Das waren die Reviergeschichten. Bis zum nächsten Mal.

 

Hoensbroech: Frohe Weihnachten.

 

Knippertz: Ciao.

 

Ton: Musik

 

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Gast

Graf Severin von und zu Hoensbroech
SchlossTürnich

Moderator

Torsten Knippertz

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